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Siehe auch:  Urteil des 12. Senats vom 30.9.2015 - B 12 KR 15/12 R -

 

Bundessozialgericht
Bundesadler
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Kassel, den 30. September 2015

Medieninformation Nr. 24/15

 

Keine Beitragsentlastung für Eltern in der Sozialversicherung wegen
ihres Aufwandes für Kinderbetreuung und Kindererziehung

 

Das Bundessozialgericht hat heute in einem Musterverfahren entschieden, dass Eltern nicht beanspruchen können, wegen des Aufwandes für die Betreuung und Erziehung von Kindern weniger Beiträge zur gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung sowie zur sozialen Pflegeversicherung zahlen zu müssen. Geklagt hatte ein Ehepaar mit drei Kindern. Die Kläger forderten, Beiträge nur in der Höhe der Hälfte der jetzigen "Bemessung" (bzw unter Abzug von 833 Euro je Kind und Monat oder eines Betrages in Höhe des steuerlichen Existenzminimums) zahlen zu müssen. Damit sind die Kläger in allen Instanzen erfolglos geblieben.
 
Der 12. Senat des Bundessozialgerichts hat in seinem heute verkündeten Urteil ausgeführt, dass die der Beitragsbemessung zugrunde liegenden gesetzlichen Regelungen rechtmäßig angewandt wurden und nicht gegen das Grundgesetz verstoßen. Eine Vorlage an das Bundesverfassungsgericht schied damit aus.
 
Der Gesetzgeber hat bei der Ausgestaltung des Sozialversicherungsrechts einen weiten sozialpolitischen Spielraum. Er bewegt sich innerhalb der Grenzen dieses Gestaltungsspielraums, wenn er den Aufwand für die Betreuung und Erziehung von Kindern in verschiedenen Regelungen des Leistungsrechts berücksichtigt. Zu nennen sind insoweit in erster Linie die Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung und die beitragsfreie Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Schwelle der Verfassungswidrigkeit wegen eines nur unzureichenden Ausgleichs ist dabei nicht überschritten worden. Aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 3.4.2001 - 1 BvR 1629/94, in dessen Folge in der sozialen Pflegeversicherung ein Beitragszuschlag für Kinderlose von 0,25 Beitragssatzpunkten eingeführt wurde, folgt nichts anderes. Es lässt sich weder daraus noch aus anderen verfassungsrechtlichen Gründen ein Anspruch auf einen allgemeinen umfassenden Ausgleich der finanziellen Belastungen durch die Kinderbetreuung und -erziehung im Beitragsrecht der Sozialversicherung herleiten. Die Anerkennung eines solchen Anspruchs würde zudem ‑ vor allem wegen des Effekts der Versicherungspflicht- und Beitragsbemessungsgrenzen ‑ die Gefahr neuer Verwerfungen in anderen Bereichen nach sich ziehen. Es ist Sache des Gesetzgebers, ggf einen weitergehenden Ausgleich herbeizuführen. Der 12. Senat des Bundessozialgerichts hat insoweit an seiner schon früher ergangenen Rechtsprechung festgehalten (zB Urteil vom 5.7.2006 - B 12 KR 20/04 R).
 
Az.: B 12 KR 15/12 R                          1. K. E., 2. M. E.  ./.  DAK Gesundheit
                                                         beigeladen: 1. DAK-Gesundheit-Pflegekasse
                                                         2. Deutsche Rentenversicherung Bund, 3. Erzbistum Freiburg

 

 

 

 

Hinweise zur Rechtslage:
 

Sozialgesetzbuch (SGB) - Elftes Buch (XI) - Soziale Pflegeversicherung
 
§ 55 Abs 3 - Beitragssatz, Beitragsbemessungsgrenze
 
Der Beitragssatz nach Absatz 1 Satz 1 und 2 erhöht sich für Mitglieder nach Ablauf des Monats, in dem sie das 23. Lebensjahr vollendet haben, um einen Beitragszuschlag in Höhe von 0,25 Beitragssatzpunkten (Beitragszuschlag für Kinderlose). …(seit 1.1.2005 geltende Fassung vom 15.12.2004, BGBl I 3448)
 
Artikel 3 Abs 1 Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
 
Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
 
Artikel 6 Abs 1 Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
 
Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
 
Artikel 100 Abs 1 S 1 Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
 
Hält ein Gericht ein Gesetz, auf dessen Gültigkeit es bei der Entscheidung ankommt, für verfassungswidrig, so ist das Verfahren auszusetzen und, … wenn es sich um die Verletzung dieses Grundgesetzes handelt, die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes einzuholen.